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Stand: 24.07.2017

Aktuelles/Februar 2016

Nordhorn

Wenn Medien süchtig machen

Digitale Medien sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Zugang zum Internet ist in jeder Lebenslage möglich: zu Hause, auf der Straße, im Auto, auf dem Spielplatz. Aber: Immer mehr Menschen driften in eine Abhängigkeit. Unter dem Titel "Mediensucht" fand nun ein Fachtag der ökumenische Fachambulanz Sucht Grafschaft Bentheim statt. Organisiert wurde er in Kooperation mit dem Fachbereich Familie und Bildung des Landkreises Grafschaft Bentheim und der Evangelischen Erwachsenenbildung Emsland/Bentheim in Nordhorn.

Gruppenfoto der Beteiligten des FachtagesOrganisatoren und Referenten des Fachtag Mediensucht (v.l): Landrat Friedrich Kethorn, Silvia Fries (Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung), Sandra Haberkamp, Andrea Herzog vom Landkreis Grafschaft Bentheim, Sandra Hildebrandt von der ökumenischen Fachambulanz Sucht im Landkreis Grafschaft Bentheim, Josef Quaing (Caritasverband Landkreis Grafschaft Bentheim), Lucas Döbel und Eberhard Freitag von der Fachstelle für Mediensucht „return“.

Gefahren: Cybermobbing, Gewaltverherrlichung

Die vielen Angebote und Möglichkeiten machen die digitalen Medien vor allem für Kinder und Jugendliche besonders attraktiv. Doch sie bergen auch Gefahren: Cybermobbing, Gewaltverherrlichung, Pornografie, Online-Sucht. "Ebenso wie die Medienlandschaft sich ständig wandelt müssen auch Angebote der Prävention für Betroffenen und Angehörige laufend weiter entwickelt werden" sagte Landrat Friedrich Kethorn zur Begrüßung der Teilnehmer der Fachtagung im Kompetenzzentrum und stellte klar: "Dazu gehört natürlich ein lebendiges Netzwerk mit unterschiedlichen und facettenreichen Angeboten.

Der Geschäftsführer der Fachambulanz Hermann Josef Quaing vom Caritasverband Grafschaft Bentheim wies darauf hin, dass der Zusammenschluss der Suchtberatungen der kirchlichen Träger mit der Drogenberatungsstelle des Landkreises Grafschaft Bentheim zur Fachambulanz Sucht ein starkes Netzwerk in der Suchtberatung darstelle. Auch die Veranstaltung selbst mit den fast 100 teilnehmenden Fachleuten aus allen sozialen Dienstleistungen sei ein gelebtes Netzwerk und stelle die Bandbreite der Angebote für Menschen mit problemhaften Medienkonsum dar. Er freue sich, dass es gelungen ist, praxiserfahrene Referenten zu dem Thema zu gewinnen und so den Austausch weiter zu fördern.

Bedarf an Beratung bei Mediensucht groß

Sandra Haberkamp während ihres VortragsSandra Haberkamp, Caritas-Expertin für Suchtprävention und federführend für das Landesmodellprojekt „Log out – Unabhängig im Netz“

Sandra Haberkamp, Caritas-Expertin für Suchtprävention und federführend für das Landesmodellprojekt "Log out - Unabhängig im Netz" gab einen Überblick über problematischen Mediengebrauch und Medienabhängigkeit. Grundsätzlich sieht sie die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien positiv. "Die Frage ist immer: Wie nutze ich sie", gab sie zu Bedenken. Der Übergang von unproblematischer zu riskanter Nutzung sei fließend, auch gebe es trotz zunehmender Forschung viele Wissensdefizite. So fehle sowohl ein einheitlicher und allgemein anerkannter Begriff für die unterschiedlichen Formen der Medienabhängigkeit als auch eine einheitliche Diagnostik.

Genau hinschauen sollte man aber, wenn Jugendliche sich immer mehr zurückziehen, kaum an anderen Freizeitaktivitäten teilnehmen, immer länger online sind, bei Internetentzug nervös und aggressiv werden. Die Suchttherapeutin stellte fest, dass der Bedarf an Beratung und Prävention groß ist. Deshalb sei es wichtig, die Suchtkrankenhilfe personell angemessen auszustatten und niedrigschwellige Angebote bereitzustellen.

Internetpornografie fördert sexuelle Gewalt

Eberhard Freitag während seines VortragsEberhard Freitag, Leiter der Fachstelle für Mediensucht "return" des Diakonischen Werkes in Hannover.

Auf ein besonderes Problem der Mediensucht ging Eberhard Freitag ein, Leiter der Fachstelle für Mediensucht "return" des Diakonischen Werkes in Hannover. In seinem Vortrag "Der Klick zum Kick" sprach er über die Internetpornografie. Der kostenlose und jederzeit verfügbare Zugang zu einer unendlichen Fülle von pornografischen Angeboten im Internet sei eine Realität, die von einer Mehrheit der erwachsenen Männer und auch von vielen Jugendlichen genutzt werde, sagte Freitag.

Fast die Hälfte aller elf- bis dreizehnjährigen Kinder hätten bereits pornografische Bilder oder Filme gesehen, bei den 17jährigen seien es bereits 93 Prozent der Jungen und 80 Prozent der Mädchen. "Zwischen der Verfügbarkeit und der Reife der Konsumenten bildet sich eine immer größere Kluft", betonte der Referent und machte deutlich, dass Pornokonsum die Beziehungsfähigkeit gefährde, sexuelle Gewalt fördere und ein hohes Suchtpotential berge.

Schamgrenze ist hoch - Prävention gefordert

Ein Problem besteht lauf Freitag darin, dass zwar fast die Hälfte der Konsumenten den Konsum einschränken möchte, aber nur 0,4 Prozent professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, weil die Schamgrenze zu hoch ist oder sie nicht wissen, wohin sie sich wenden können. Deshalb sei es wichtig, Eltern und Pädagogen zu sensibilisieren und Multiplikatoren zu schulen. In diesem Zusammenhang machte Freitag auch auf das von "return" herausgegebene Praxisbuch zur Prävention von Internet-Pornografie-Konsum "Fit for love" aufmerksam.

Download

Problematischer Mediengebrauch und Medienabhängigkeit – Ein Überblick

Vortrag von Sandra Haberkamp, Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Osnabrück

Hauptsache „online“ – Internet zwischen Faszination und Kontrollverlust

Handout von Eberhard Freitag, return – Fachstelle Mediensucht – Hannover

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